Echter Adler
Der Schreiadler gehört zur Gattung der echten Adler, die man an ihren bis zu den Fängen befiederten Beinen erkennen kann. Sein lateinischer Name Aquila pomarina bedeutet Pommernadler und zeigt, wo in Deutschland sein Hauptverbreitungsgebiet war und ist. Der deutsche Name rührt von den durchdringenden Rufen, die man im Brutrevier hören kann.
Die Art ist stark gefährdet, in Deutschland gibt es noch etwa 115 Brutpaare, von denen etwa 80 in Mecklenburg-Vorpommern brüten.

Aussehen
Schreiadler sind mit einer Flügelspanne von bis zu 1,60 m unsere kleinste heimische Adlerart und damit etwa so groß wie Fischadler, haben ein schokobraunes Gefieder, eine knallgelbe Wachshaut am Hakenschnabel und genauso gelbe Füße, die mit starken Krallen bewehrt sind. Jungvögel haben einen orangenen Nackenfleck und gefleckte Flügeloberseiten.
Wenn man den Schreiadler aus der Entfernung auf einer Wiese sitzen sieht, kann man ihn auch mit einem dunklen Mäusebussard verwechseln.

Reviertreue
Der Schreiadler ist ein Zugvogel und überwintert im südlichen Afrika. Er ist sehr reviertreu und sucht über viele Jahre immer wieder „seinen“ Wald auf. Seinen Horst wechselt er allerdings ganz gern mal. Von Mitte April bis Ende September geht er bei uns seinem Brutgeschäft nach und zieht seinen kleinen Nachwuchsadler auf.

Geschwisterliebe & Familienleben
Meist legt das Schreiadlerpaar Anfang Mai zwar 2 Eier, allerdings kommt es in den meisten Fällen zum Geschwistermord, dem „Kainismus“. Dieser Begriff ist aus der alttestamentarischen Zeit entlehnt, in der Kain aus Neid und Habgier seinen Bruder Abel erschlug.
Das erstgeborene Küken drängt sich dabei so aggressiv in den Vordergrund, dass das zweite innerhalb weniger Tage verhungert und oft gleich noch als kleiner Extraleckerbissen an den Brudermörder verfüttert wird.
Während der ersten Wochen wird das Kleine ausschließlich von der Mutter gefüttert. Der Vater versorgt die beiden in dieser Zeit mit Nahrung. Ab der 3. Woche verlässt auch das Weibchen den Horst und geht auf Beutezug, um den immer hungrigen Schnabel zu stopfen.

Gut zu Fuß
Eine weniger bizarre Eigenart dieses spannenden Vogels ist, dass er seine Beute meist zu Fuß im Offenland jagt und erlegt. Von Sitzwarten aus verschafft er sich einen guten Überblick über die Wiese. Sobald er eine fette Maus oder einen leckeren Frosch erspäht hat, spurtet er los.

Nahrungsspektrum
Hauptsächlich verspeist der Schreiadler Feldmäuse und andere Kleinsäuger, Frösche und kleine Kriechtiere. Selten ernährt er sich von Aas.

Stiller Waldbewohner
Der Schreiadler ist ein sehr heimlicher und störungsempfindlicher Vogel. Im Wald bekommt man ihn so gut wie nie zu Gesicht, und seinen Horst versteckt er so gut, dass ihn keiner findet. Fühlt er sich in seinem Brutrevier belästigt, verlässt er den Horst und kehrt auch in das Gebiet nicht wieder zurück.






